Luther im Film und Fernsehen der DDR
Tafel 5 Luther im Film und Fernsehen der DDR

Eine gemeinsame Ausstellungen des Instituts für vergleichende Staat-Kirche-Forschung und des Hauses der Geschichte Wittenberg

Am 10. November, dem Geburtstag von Martin Luther, wurde im Barockhaus des Hauses der Geschichte in Wittenberg die Ausstellung über den DDR-Fünfteiler „Martin Luther“ eröffnet. Den Bürgermeister der Lutherstadt Torsten Zugehör bewegte der Titel der Ausstellung „Martin Luther als Filmheld in der DDR“ zu einer launigen Rede über den Helden, der laut Zedler-Lexikon einer ist, „der von Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärcke begabet, durch tapfere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben“ hat, was zweifellos auf den Reformator zutraf.

Zu den zahlreich erschienenen Gästen der Ausstellungseröffnung gehörten die Landtagsabgeordnete Corinna Reinicke ebenso wie der Bischof a.D. Axel Noack, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates von PFLUG e.V. Professor Peter Hertner und Wittenberger Stadträte ebenso wie viele interessierte Bürger. Im Gespräch mit dem namhaften Regisseurs Prof. Kurth Veth gelang es Dr. Joachim Heise, Leiter des Instituts, Geschichte und Verlauf des Lutherfilms auch an Hand von ausgewählten Filmsequenzen lebendig werden zu lassen. Dabei wurde deutlich, dass der 1983 für das Fernsehen der DDR aus Anlass des 500. Geburtstages des Reformators gedrehte Luther-Film seine Zuschauer durch seine inhaltliche Tiefe, historische und sprachliche Genauigkeit sowie ein hochkarätiges Schauspielerensemble mit Ulrich Thein in der Hauptrolle beeindruckte. Bis heute gehört der 1983er Film zum Besten, was im Film bislang über den Reformator zu sehen ist.

Rechtzeitig zum 80. Geburtstag des Regisseurs, der 1989 auch einen Spielfilm über Thomas Müntzer gedreht hat, ist es der seit 2009 arbeitenden Projektgruppe „Luther in der DDR“, getragen von PFLUG e.V. und unserem Institut, gelungen, eine kleine Ausstellung zu dem viel beachteten Lutherfilm von Kurt Veth zu gestalten. Sie enthält neben filmographischen Angaben und Informationen über den Regisseur sowie den Hauptdarsteller auch interessante Fakten über Kontroversen im Zusammenhang mit der Darstellung Thomas Müntzers sowie über die Resonanz des Films in Ost und West.
Gerade bei Kirchen und Christen in der DDR, aber auch in der Bundesrepublik und anderen Ländern mit protestantischer Tradition stieß die Produktion und Ausstrahlung eines solchen Films im DDR-Fernsehen an fünf Abenden zur besten Sendezeit auf Verwunderung: Wie konnte ein Staat wie die DDR ausgerechnet im „Karl-Marx-Jahr“ 1983, einem Christenmenschen und Kirchengründer wie Martin Luther eine solche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen?

So fügt sich eine zweite Ausstellung "Atheismus in der DDR", die jetzt als Dauerausstellung im Haus der Geschichte gezeigt wird, sinnvoll in das Gesamtvorhaben der Projektgruppe „Luther in der DDR“ ein. Sie geht der Frage „Wie atheistisch war die DDR?“ nach und zeigt an lebensweltlichen Wendemarken, wie Bürger der DDR immer wieder mit der alten Gretchenfrage konfrontiert wurden: „Wie hältst Du’s mit der Religion?“

Neugestaltet und wesentlich verkleinert wurde zudem die bereits 2009 eröffnete Ausstellung "Luther in diplomatischer Mission für die DDR".

Wer also das Informations- und Dokumentationszentrum „Luther in der DDR“ in Wittenberg in der Schlossstraße 6 besucht, der findet insgesamt eine Fülle von Informationen zu drei interessanten Themenfeldern: Luther in der Auslandspropaganda der DDR 1983, Atheismus in der DDR und der Fünfteiler des Fernsehens der DDR „Martin Luther“.